Fünf Tage Istanbul (3)

Von Europa nach Asien (II)

 

Möven füttern auf der Fähre nach Üsküdar

Möven füttern auf der Fähre nach Üsküdar

 

Weiter geht’s. Wir suche die Seilbahn. Laut Karte gibt es eine Seilbahn vom Taksimplatz aus hinunter nach Kabatas. Hier sollen die Fähren nach Üsküdar, dem asiatischen Teil Istanbuls ablegen. Aber von einer Seilbahn ist weit und breit nichts zu sehen. Nachdem wir den Platz drei Mal überquert haben beschließen wir frustriert die U-Bahn zu nehmen. Und siehe da. Als wir die Treppe zur Metro hinunter steigen finden wir auch die Seilbahn. Wir hatten den Fehler gemacht, nach Masten, Traversen und Drahtseilen zu suchen. Dabei handelt es sich eher um eine Art Zahnradbahn, die unterirdisch, durch den Hügel zu den Fähranlegern führt.

Die Fahrt dauert knappe 3 Minuten und als wir am anderen Ende den Tunnel wieder verlassen, stehen wir auf einem Parkplatz vor den Fähranlegern. Jetzt ist guter Rat teuer. Ein Fähranbieter reiht sich an den nächsten. Ich schaue noch einmal auf die Karte und beschließe, dass wir noch ein wenig den Bosporus hoch in Richtung der großen Brücke müssen. Auf der Laufschrift einer Holzhütte steht plötzlich das Wort Üsküdar. Hier müssten wir richtig sein. Allerdings drängen sich gefühlte 400 Touristen, in verschiedenen Schlangen, an verschiedenen Schaltern um das kleine Häuschen. Meine Laune erreicht gerade ihren Tiefpunkt, als ich innere der Hütte schaue. Und siehe da. Im Innern befinden sich die gleichen Drehkreuze, die wir schon von Tram und U-Bahn kennen. Ich frage kurz einen der umher stehenden Männer: „Üsküdar?!“ Und er nickt und zeigt auf das Drehkreuz. Wieder etwas gelernt. Es gibt Fähren die dem öffentlichen Nahverkehr angegliedert sind und private Fähren, die auch Ausflugsfahrten beispielsweise zu den Prinzessinneninseln anbieten. Die öffentlichen Fähranleger erkennt man immer an den Drehkreuzen, auf denen man seine Istanbulcard entwerten kann und Aufladeautomaten finden sich immer in der Nähe.

 

Leander Turm

Leander Turm

Die Fähren haben feste Fahrpläne, die sich mit ein bisschen Suchen auch über das Internet abrufen lassen. In der Regel fahren die Schiffe im Halbstunden- oder Stundentakt. Wir suchen uns einen schattigen Platz auf dem Oberdeck und genießen die rund 20 minütige Fahrt. Zwischendurch geht ein Teehändler durch die Reihen und bietet neben Tee auch Saft oder kleine Snacks an. Ich nehme mir einen Tee für 1 TL, lehne mich zurück und betrachte das bunte Treiben an Bord.

 

Am anderen Ufer angekommen beschließen wir bosporusaufwärts in Richtung des Leanderturms, man kennt ihn aus dem James Bond Film „Die Welt ist nicht genug“, zu laufen. Auf der Karte sieht es recht nah aus und tatsächlich ist der Turm nach einem guten Kilometer Fußmarsch erreicht. Weitere zwei Kilometer quälen wir uns dann bei sengender Hitze am Ufer entlang. Wer hier eine Pause machen möchte kann dies an einem der zahlreichen Kioske machen. Neben jedem Kiosk erstrecken sich stufenförmige Uferterrassen, die Sonnenschirmen beschatten sind und weiche Kissen landen zum Ausruhen ein. Wir jedoch ziehen weiter. Meine Idee ist vom nächsten Fähranleger wieder direkt in die Altstadt zu fahren. An einer Bank halten wir nun doch nochmal an und trinken etwas. In Flaschen abgefülltes Trinkwasser gibt es in Istanbul übrigens an jeder Straßenecke und viele fliegende Händler verkaufen einem die Halbliterflasche für 1 TL. Das Wasser mag im Supermarkt etwas billiger sein, aber ich zahl gern etwas mehr, wenn ich nicht soviel Gewicht im Rucksack mitschleppen muss. Auf der Ufermole tummeln sich zahlreiche Menschen, die Picknicks veranstalten oder im Bospurus schwimmen gehen. Mit ist im Moment auch danach zu mute, aber ich haben keine Badesachen dabei. Etwas weiter vorne schmeißt eine Braut Luftballons in die Höhe während der Bräutigam sie in den Armen hält. Ein Fotograf macht die Hochzeitsfotos. Wie wir noch feststellen werden ist dies eines der vielen Freiluftshootings hier in Istanbul. Manchmal entsteht da wirklich der Eindruck, dass hier alles nur Kulisse ist.

 

Rauchen verboten!

Rauchen verboten!

Endlich erreichen wir den Fähranleger Harem. Ja. Ich musste auch grinsen, aber er heißt tatsächlich so. Von Üsküdar aus sind es zwar nur gute drei Kilometer. Bei der Hitze haben wir jedoch mit Pause und Fotostop am Leanderturm fast eineinhalb Stunden gebraucht. Mit der Autofähre geht es nun zurück nach Eminönü, dass ist der Anleger hinter der Galatabrücke und auch der Name der Straßenbahnstation, an der wir einsteigen. Müde aber glücklich geht es nach einem Abstecher in ein Schnellrestaurant zurück ins Hotel.

(In der nächsten Folge sehen wir uns die Blaue Moschee an. Fortsetzung folgt.)