Saarisälka, Finnland – März 2016
Ich stehe in einem weissen Raum. Um mich herum ist nichts als Licht. Die Sonne scheint irgendwo am Himmel zu stehen. Zumindest wenn es denn einen Himmel in diesem weissen Raum geben würde. Es ist einfach hell. Hundert Meter vor mir läuft mein Sohn. Ich folge ihm und denke, ob es wohl so ist, wenn man stirbt? Ein heller Raum mit der Abwesenheit von Geräuschen? langsam wird aus dem Weiß ein grau. Das Knirschen von Schnee unter meinen Schuhen bringt mich in die Realität zurück. Wir sind vor etwa zwei Stunden von unserem Blockhaus aufgebrochen und seit dem unablässig durch auf einem schmalen Pfad den Holzpfählen des Wanderweges gefolgt. Hat man Loipen der Langläufer einmal hinter sich gelassen wird im Wald ganz einsam. Der Weg, mehr ein Pfad im Schnee, gerade einmal zwei Fuß breit. Tritt man etwas abseits der Mitte auf, so sackt man unweigerlich bis zum Oberschenkel in den Schnee ein. Vorsichtig laufen wir hintereinander. Schritt für Schritt, Fuß für Fuß. Immer weiter und immer steiler den Berg hoch. Es ist die erste Wanderung nach unserer Ankunft gestern Abend. Rund 18 Stunden und drei Flüge haben wir gebraucht. Ich kann immer noch nicht glauben, dass wir uns tatsächlich 250 km nördlich des Polarkreises befinden. Murmansk ist nur 330 km von uns entfernt, das Nordkap 450. Nach dem wir die 150 Höhenmeter hinter uns gebracht haben löst sich der Wald langsam auf. Die verkrüppelten Fichten stehen nur noch vereinzelt und wir können in das Tal blicken.
Wir haben die Baumgrenze überschritten. Die wenigen verbliebenen Bäume sind dick mit Schnee bedeckt und die Sonne scheint irgendwo hinter der diffusen Wolkendecke zu scheinen. Schritt für Schritt geht es weiter. von einem Pfahl zum nächsten. Als ich mich irgendwann umdrehe ist das Tal verschwunden, die Fichten auch. Was bleibt ist der weisse Raum. Langsam wird die Szenerie grau und die Sicht wird immer schlechter. Wir laufen immer leicht bergan. Durch einen unbegrenzten Raum in man nur einen Pfahl weit nach vorne und einen nach hinten sehen kann. langsam meldet sich auch die Anstrengung bei mir. Vier oder fünf Kilometer Berg hoch durch den Schnee zu Stapfen bin ich nicht gewohnt. An einem Schild, dass den höchsten Punkt des Berges markiert machen wir halt. Der Weg scheint sich noch weiter um den Berg herum zu ziehen. Mir reicht es jedoch für heute. Es sind immerhin weitere fünf Kilometer durch den Schnee zu unserer Hütte zurück. Zeit umzukehren, Zeit sich einzugestehen, dass man in der weissen Unendlichkeit Angst hatte, Angst vor der Grenzenlosigkeit