So-froehlich photography

Discover the world

Monsun

Die Entscheidung während des Monsuns nach Kambodscha zu reisen fiel eher zufällig. Ich wollte zu einer Zeit reisen, in der der Tonle Sap (khmer: Großer See) genug Wasser führt um die schwimmenden Dörfer zu besuchen. Und ich wollte Kambodscha in grün sehen und nicht in trockenen fahlen Brauntönen. Es lag also nahe gegen Ende des Monsuns zu fahren, wenn die Trockenzeit noch nicht von der Landschaft Besitz ergriffen hätte. An diesem Punkt habe ich dann schlichtweg um einen Monat vertan. Ich komme also Anfang Oktober, dem Hauptregenmonat in Phnom Penh an. Als ich den Flughafen verlasse, schlägt mir Luft mit einer Temperatur von 30°C und einer Luftfeuchtigkeit von 80% entgegen. Innerhalb von Minuten klebt mein Hemd an meinem Körper. Jede Bewegung wird zur Anstrengung. Sogar das Atmen fällt mir schwer. Nach der trockenen, klimatisierten Luft im Flughafen ist es als würde einem die Energie abgesaugt werden. Das Jetlag nach der langen Reisezeit tut ein Übriges. Wie bei jeder Reise frage ich mich an dieser Stelle, ob das wirklich eine so gute Idee war hierher zu kommen. Fast im selben Moment kommt mir die Antwort in den Sinn: “Eindeutig, ja!!!“

Es regnet insgesamt nicht so viel wie ich angenommen hatte. Außerdem ist es ein Mythos, dass es im Monsun nur am Nachmittag regnet. Letztendlich kommt es immer darauf an wann uns die Ausläufer der Tropenstürme aus Thailand treffen. Der Monsun ist unberechenbar und die Regenjacke mein ständiger Begleiter. Mal regnet es mehr, mal weniger. Aber immer ist der Spuk nach ein paar Stunden vorbei und man wird mit einem spektakulären Monsunhimmel mit hohen Kumuluswolken belohnt. Mit der Zeit gewöhnt man sich an diesen Rhythmus. Man lernt die Klimaanlage im Zimmer richtig ein zustellen und trocknet seine Kleidung zwischen den aufgeheizten Thermofenstern und den gelben Vorhängen. Der Monsun ist anders als europäischer Regen. Bei uns zu Hause ist der Regen meist kalt und man fängt in seiner nassen Kleidung zwangsläufig an zu frieren. Der Monsun hingegen ist warm. Es ist also eher so, als würde man angezogen duschen. Die Nässe durchdringt mit der Zeit alles, sich daran zu gewöhnen fällt schon deutlich schwerer. Man ist eigentlich immer nass, entweder weil man schwitzt oder weil es regnet. Das schwülwarme Klima zwingt mich einen Gang herunter zu schalten. Es zwingt einen sich auch mal treiben zu lassen. Oft hat Kim unser Guide morgens gefragt:“Und, keine Energie heute?“ Es dauert immer einige Zeit bis man aus dem klimatisierten Zimmer in der wahren Welt von 80% Luftfeuchtigkeit ankommt. Auch die Nacht bringt keine Abkühlung. Wir haben den Regen auf der Reise meinst als feinen Nieselregen erlebt.

Es geht aber auch anders. In Battambang fragt uns Kim abends ob wir mit ihm zum Essen fahren wollen. Der Regen tost draußen. Unser Fahrer fährt uns mit dem Kleinbus quasi bis in das Restaurant hinein. Das Personal ist darauf vorbereitet und empfängt uns mit großen Regenschirmen und geleitet uns die zwei Meter von der offenen Wagentür bis in Innere. Es ist ein Khmer-Restaurant. Man spricht hier kein Englisch und Kim übersetzt uns die Speisekarte. Das Essen ist prima und nach und nach hört auch der Regen auf. Statt Kims Vorschlag, uns ins Hotel zurück zufahren, zu folgen entscheiden wir uns den kurzen Weg zum Hotel zu Fuß zurück zulegen. Es ist feucht und warm und es macht Spaß durch die Nacht zu laufen. Die Straßen sind dunkler als zu Hause. Die Lichter der Geschäfte die noch offen haben spiegeln sich im Asphalt. An der nächsten Kreuzung ist der Spaß jedoch erst mal vorbei. Auf der Straße steht etwa knietief das Wasser. Die Kanalisation scheint überfordert. Die Kinder haben ihren Spaß mit dem nächtlichen Bad. Mir ist es jedoch zu gefährlich Schuhe und Strümpfe auszuziehen und durch die braune Brühe zu waten. Wir drehen um und versuchen es ein paar Straßen weiter noch einmal. Vergeblich. Das gleiche Bild. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns ein Tuc-Tuc zu suchen und zum Hotel zu fahren. Doch selbst der Tuc-Tuc Fahrer muss einige Umwege fahren um uns halbwegs trocken am Hotel abzuliefern. Die Gassen werden immer enger und dunkler, so dass wir uns langsam fragen, wo man hier wohl die Leichen der ausgeraubten Touristen entsorgt. Vielleicht verstopfen sie die Kanalisation? Aber die Frage ist unbegründet. Einige hundert Meter weiter wird es wieder heller und Hotel taucht vor uns auf.

Kairo

Es ist 2 Uhr nachts als wir starten. Der Bus in dem wir sitzen ist eng. Aber schließlich gelingt es allen eine Position einzunehmen in der es sich halbwegs schlafen läßt. Ich kann noch nicht schlafen. Wir sind ja auch früh ins Bett gegangen um auf dem Ausflug nicht allzu erschlagen zu sein. Zu Hause würde es mir nie einfallen einen Tagesausflug von 900 Km zu machen. Es ist dunkel draussen. Ich sehe nur die Lichter der Ölfelder und das Lodern der Gasflammen der Petrofeuer am Horizont. Gegen 4 Uhr wird es hell. Über dem Meer bildet sich eine hellblaue Sphäre, welche die Dunkelheit zu Boden drückt. Eine Stunde später steigt dann die Sonne auf. Der Anblick der Landschaft ist ernüchternd. Um uns herum nichts als Wüste. Aber irgendwie wirkt auch alles künstlich, als es von Menschenhand erschaffen worden. Eben so wie eine Braunkohle Abraumhalde. Das Geröll ist durchzogen von Fahrzeugspuren. Aus dem Dunst schält sich ein Windpark heraus. Oder besser gesagt ein Windfabrik. Hunderte von Windkraftanlagen stehen hier in Reih- und Glied, wie ein Armee von Generatoren. Don Quixote hätte seine wahre Freude gehabt. Ansonsten reiht sich im Golf von Suez eine Baustelle an die nächste. Doch nirgendwo wird gebaut. Alles scheint in einem Dornröschenschlaf zu liegen. Die Hotels alle geschlossen. Später erfahre ich, von unserem Guide, dass die Auslastung der Hotels hier am roten Meer derzeit maximal bei 20% liegt. Wenn aber immer wieder der Eindruck entsteht, dass die Hotel doch gut gebucht sind, liegt das daran, dass die großen Hotelketten einfach einen Teil ihrer Hotels schließen und alles auf ein Haus konzentrieren um wenigsten dort die Arbeitsplätze zu erhalten. Es ist kurz nach 8 als wir Kairo erreichen. 25 Millionen Menschen leben hier. 96 % der Fläche Ägyptens sind Wüste. Auf der restlichen Fläche, die ungefähr der Größe von Baden-Württemberg entspricht und die fast auschließlich an den Ufern des Nils liegt leben rund 85 Millionen Menschen. Wir durchqueren Kairo auf einer Hochstraße. Links und rechts stehen Hochhäuser. Schmale schmutzig graue Bauten, die acht bis zehn Stockwerke hoch sind. Dieses Viertel sieht aus wie aus einem Alptraum. An den Aussenwänden der Häuser kleben dutzende Satelitenschüsseln und Klimaanlagen. Die Fenster sind blind. Über allem liegt eine graue Sandschicht, Menschen sind nicht zu sehen. Später werden die Häuser kleiner. Auf vielen Gebäuden ragen halbfertige Stockwerke mit offenliegenden Armiereisen in den Himmel. Von unserem Guide erfahre ich, dass man in Ägypten keinen Wert auf Äusserlichkeiten legt. Die Hochhäuser an denen wir vorbei gefahren sind auch nicht etwar Wohnsilos aus dem sozialen Wohnungsbau, sondern gehören schon zu den teureren Immobilien. Innen sind sie oft eingerichtet wie Paläste. Und auch für die vielen unfertigen Häuser gibt es eine Erklärung. Man baut hier immer soweit wie das Geld reicht. Ist es aufgebraucht, bleibt der Bau solange liegen, bis wieder welches vorhanden ist. Direkt hinter dem Wohngebiet liegen die Pyramieden. Sie sehen nett aus sind aber energetisch eine Katastrophe. Thats it!

Das eigentliche Heiligtum betreten wir dann wenig später in Form einer Pafümerie oder besser ausgedrückt einer Parfümmanufaktur. Es ist ein holzgetäfelter Laden, dessen Wände mit Spiegeln und Glasregalen überzogen ist. Auf den Regalen stehen hunderte Flaschen und Flakons unterschiedlicher größe mit verschieden farbigen Flüssigkeiten. Ich bin diesmal nicht skeptisch. Ich kenne das aus Indien, man besucht einen Betrieb, wird bewirtet, bekommt einen Einblick in Fertigungstechniken und Kunsthandwerk und kann sich danach entscheiden ob man etwas kaufen möchte oder nicht. So lehne ich mich auch entspannt zurück, als der Inhaber der Manufaktur Scheich Abdulla den Raum betritt. Es wird Tee und Mocca gereicht und der Scheich beginnt zu erzählen. Meinen Kopf durchzuckt ein Dejavu und ich sitze wieder im Jain-Tempel in Ranakpur. Das Om hallt in meinem Kopf. Dann ist es wieder vorbei. Die Ähnlichkeit mit dem Mönch, der damals in Ranakpur für uns gebetet hat ist verblüffend. Auch seine Stimme ist dunkel und warm und erfüllt den ganzen Raum. Ich nehme noch ein Schluck von meinem Mocca. An dieser Stelle sei erwähnt, dass man Mocca nie ganz austrinken sollte, weil man ansonsten den ganzen Kaffeesatz im Mund hat. Man lernt eben nie aus. Ich erfahre, dass es weltweit nur etwa 1100 Pafüms gibt, 750 Frauendüfte und 350 für Männer. Es sei schon so, erklärt der Scheich, dass die hochwertigsten Lavendelessenzen aus Frankreich kommen und besten Rosen und Sandelholzessenzen aus Indien. Aber es kommen auch sehr viele der teuersten Duftstoffe aus Ägypten. Und so stellt er, wie noch zwei weitere Familien in Ägypten, die Grundstoffe für die Parfümindustrie her. Die Essenzen die es hier in dem Laden gibt sind reine Öle, die noch nicht mit Alkohol verdünnt sind. Hier gibt es alles an Düften was man sich vorstellen kann. Von reinem frischen Papyrus, dass ich aus meinem Duschgel kenne bis hin zu alten Lagerfelddüften die nicht mehr hergestellt werden. Dieser Laden ist eine wirkliche Offenbarung. Ich schwelge noch so in den Düften, als unser Guide zu Aufbruch drängt. Draussn schlägt mir die Hitze entgegen. Es ist Mittag. Zeit etwas zu essen. Das Restaurant das wir besuchen ist auch von Einheimischen gut frequentiert. Es gibt Büffet. Eine reichhaltige Auswahl an äyptischer und europäischer Küche. Danach bin ich ganz froh, dass der Buss sich nur langsam durch den Verkehr quälen kann. Auf dem Weg zum äyptischen Museum döse ich vor mich hin und lausche was unser Guide noch alles erzählt. Die Kinder gehen in hier fast alle zur Schule. Allerdings zahlt man pro Kind selbst in der Staatschule etwar einen Monatslohn pro Jahr an Schulgeld. Und das bei einer durchschnittlichen Klassenstärke von 80 Schülern. Um zu erfassen, wie viel oder wenig Geld hier jemand zur Verfügung hat, kann man ganz grob rechnen, das man hier für ein Pfund ungefähr das bekommt für was man bei uns zu Hause einen Euro zahlt. Allerdings sind die Einkommen entsprechend niedriger. Grundnahrungmittel sind dann auch (noch) relativ günstig, Importwaren wie Autos für den Normalbürger unerschwinglich. Und so verwundert einen auch nicht die Unzufriedenheit der äyptischen Bevölkerung mit dem Mubarakregime, dass Milliarden an Euro in die eigene Tasche gesteckt hat. „Wir Ägypter waren schon immer ein friedliches Volk. Wir wollen nur leben und ein bisschen Wohlstand. Deswegen war auch die Revoltution so friedlich.“ Wir fahren über eine Hochstraße unter uns in den Straßen wimmelt es von Menschen. Hier unter den Viadukten sind die Märkte. „ Es ist noch nicht viel los jetzt! Wenn die Sonne untergegangen wir hier richtig voll und lebhaft“, lacht unser Guide. „Die Menschen hier haben nich so viel Geld. Aber sie leisten es sich doch einmal im Monat essen zu gehen. MC Donald und KFC stehen bei den Ägyptern hoch im Kurs, jedenfalls mehr als traditionelle Küche.“ Der Bus kämpft sich durch den Verkehr über einen breiten Boulevard (Pyramidenstrasse). Links und rechts sieht man weiße Sammeltaxis. Alte VW Busse vom Typ T1, hunderte gibt es hier noch. Alle mit offener Motorklappe um den luftgekühlten Boxermotor nicht zu überhitzen. Dann sind wir am Ägyptischen Museum. Neben dem Museum steht die ausgebrannte Parteizentrale Mubaraks. Sie gemahnt einen an die Unruhen, die hier noch vor ein paar Monaten gewütet haben. Und an die Toten die es gegeben hat. Es ist heiß.

Wir betreten das Museum. Die Luft ist schwül und angefüllt vom Geruch alter Dinge. Schon wenn man die Eingangshalle betritt bemerkt man die Präsenz der Pharaonen. Jahrtausende nach ihrem Tod. Dieser Ort ist heilig. Eine eigenartige Energie herrscht hier. Die Spiritualität eines Friedhofes, die mit an den Pyramieden gefehlt hat, hier finde ich sie. Das Museum selbst gleich eher einem Antiquitätenladen. Die Vitrienen, Schlößer, Plomben aus den 30er Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Zwischen den Austellungsräumen immer wieder vergitterte Türe, die in die schier unerschöpflichen Magazine führen. 3000 Jahre Kultur auf ein paar Quadratmetern. Die Luft so schwer, dass man kaum atmen kann. Echnaton der einen zur Ehrfurcht zwingt. Tut Ench Amun der einem seine Schätze darbietet. Die Pharaonen sind umgezogen und dieser Ort ist jetzt heilig. Energie die man spüren. Im Tot perfekt konserviert, erstehen sie hier auf. Die Atmosphäre betäubt mich. Es wird Zeit, dass ich wieder an die frische Luft komme. Als ich wieder im Buss sitze fühle ich mich erschlagen. In einem älteren Viertel Kairos schlängeln wir uns, an den Ufern des Nils entlang, durch den Stau . Kairo ist gar nicht so chaotisch wie uns unser Guide glauben machen will, hier an den Ufern des Nils könnte man sich glatt an den Ufern Seine wähnen. Und so fällt mir auch gleich die Verwandschaft mit Paris ins Auge. Die alten sandfarbenen Wohnhäuser aus der Gründerzeit, die Boulevards, die Ausflugsschiffe auf dem Nil. Ich denke mir, dass ich noch einmal hierher kommen möchte, dann aber für länger.

(Originaltext von 2011)

Downtown

Hurghada DowtownDas Leben pulsiert in der Altstadt trotz der Hitze
Es ist 10 Uhr als ich beschließe die Altstadt von Hurghada zu besuchen. Ich komme mir ein bisschen vor als wäre ich allein auf einem anderen Planeten gestrandet. Ich spreche die hiesige Sprache nicht und Hinweisschilder gibt es auch nicht. Ich bin allein. Indien zählt da nicht. Da war ich nie alleine unterwegs und hatte immer jemanden zum Händchenhalten beim umherstreifen. Ich verlasse das Hotel. Der Wind peitscht mir den Sand ins Gesicht. Meine Güter ich hab ja in München schon Probleme mit dem Busfahren. Wie soll das erst hier werden. Außerdem habe ich keine Ahnung wo ich eigentlich hin möchte. Busfahren, dass habe ich mittlerweile mit bekommen, funktioniert hier folgendermaßen. Man stellt sich irgendwo an den Straßenrand und warten bis ein Bus vorbei kommt der hält dann und nimmt einen mit. Prima wenn der Bus dann noch dahin fährt wo man hin möchte. Ich beschließe also es zunächst mal mit einem Taxi zu versuchen. Klar, hätte ich mir eins an der Rezeption bestellen können, das wäre aber weit weniger cool gewesen als einfach eins an zu halten. Ich gehe über den Parkplatz in Richtung Straße. Die Suche nach dem Taxi gestaltet sich ziemlich einfach. Nach dem das Taxi mich fast überfahren hat als ich die Straße überqueren wollte, hat der Fahrer einfach zurück gesetzt und mich aufgesammelt. So lerne ich Ali den Taxifahrer kennen. Wir feilschen ein wenig um den Preis und darüber wo ich nun eigentlich hin möchte. Was zu Haus unmöglich erscheint „Ich will irgendwo in die Stadt, falls es denn hier überhaupt eine gibt“, stellt hier kein großes Problem dar. „You want downtown or in the new City?”Downtown hört sich spannend an. Und ich sage: „I´m looking for the suk.”„Yes, ist downtown in the old part of the city.”Sagt Ali. Und ich bestätige mit einem „O.k. Downtown!“Ali fährt los und erzählt mir nebenher was es so über Hurghada zu wissen gibt. Wir fahren vorbei an der Moschee die fast alle Touristen besuchen. Ali bringt mich die Altstadt zu den Basaren. Wobei Basare hier einfach eine Ansammlung von Geschäften meint und nicht etwa so etwas wie ein Markthalle oder einen fest umgrenzten Raum. Ali hatte mich während der Fahrt schon mehrmals gefragt, ob er mich irgendwo wieder abholen solle und als ich mir die Gegend so ansehe halte ich es für eine wirklich gute Idee. Wir verabreden uns in zwei Stunden.

Die Altstadt selbst hat nichts romantisches. Es sieht eher wie ein Arbeiterviertel aus. Aber vielleicht ist der Begriff Altstadt auch relativ. Schließlich ist Hurghada keine historische Stadt, sondern war vor 20 Jahren noch ein kleines Dorf zwischen Meer und Wüste mit einem Militärflughafen. Es gibt hier nur einfache zweckmäßige Betonbauten mit wenigen Fenstern. Schon als ich aussteige merke ich, dass ich auffalle wie ein bunter Hund. Und. Ja, meine Kleidung ist äußerst praktisch bei diesem Wetter, besonders wenn man schon einen Sonnenbrand hat. Allerdings sehe ich Ranger Smith nicht unähnlich. Das verbessert auch der Schlapphut nicht der mit ein bisschen Schatten spendet. Stellt euch einfach vor „Indiana Jones“läuft durch die Stuttgarter Innenstadt. Die Männer sind hier braun gebrannt und tragen Jeans und T-Shirts, die Frauen beneide ich mittlerweile um ihre Burkas. Wenigstens würde ich damit nicht so auffallen. Beim ersten Geschäft mache ich den Fehler mich mit den Leuten zu unterhalten. Das Gespräch dreht sich hauptsächlich darum wo ich denn herkommen und was ich denn nun bei ihnen kaufen könnte. Und während ich mich noch mit Handschlag verabschiede, steht schon der nächste auf der Matte. Ein junger Mann mit goldener Sonnenbrille, nimmt nun seinerseits meine Hand ,erzählt mir, diesmal auf deutsch, er sei in Berlin auf der Hotelfachschule gewesen und bugsiert mich in seinen Laden. Was in aller Welt soll ich in einem Schmuckgeschäft, wo meine Frau doch gar keinen Schmuck trägt. Nein und er will auch nichts verkaufen, nichts liegt ihm ferner. Er will mir nur einen Rat geben:“Geh darüber in diese Richtung. Da überall Mubarak-Mafia!“er neigt den Kopf und flüstert: „Es ist dort nicht sich sicher. Du verstehst. Dort überall Mubarak-Mafia!...und wenn du doch was kaufen willst gehe mit die andere Richtung.“Er zieht mich aus dem kleinen Laden raus und um die Ecke in einen anderen Laden hinein. Diesmal ist es ein Souveniershop. „Nein, ich will bestimmt nichts kaufen.“— „Ok.“sagt er verschwörerisch, “ich habe noch einen dritten Laden in der Neustadt..“Er drückt mir eine Karte in die Hand und ich verspreche mir den Laden wenigsten anzusehen, wenn ich je in die Neustadt kommen sollte. Dann erinnere ich mich, dass ich eigentlich zum fotografieren hier bin. Ich sehe zu, dass ich weiter komme und ignoriere es fortan wenn mich jemand anspricht.

Mit der Kamera in der Hand bin ich hier ein auffälliger Fremdkörper, der teils mißtrauisch, teils interessiert beäugt wird. Die Ägypter sind in dieser Hinsicht viel selbstsicherer als die Inder und so mache viele Bilder einfach und viel aufhebens aus der Hüfte. Schon wieder trifft mich der zerstörte Mythos vom Fotografen, der mit allen Menschen redet bevor er sie fotografiert. Diesen Pathos konnte ich schließlich schon in Indien aufgeben. Die Altstadt ist das Viertel wo die kleinen Menschen leben. Die eigentliche Bevölkerung des Ortes. An den Straßen gibt es kleine Läden in denen man alles für den täglichen Bedarf kaufen kann, kleine Cafés in denen es Tee und Wasserpfeifen gibt und Reparaturwerkstätten für alles Mögliche. Allerdings gibt es hier auch etliche, vor allem teure Geschäfte, wie Juweliere, deren Schaufenster mit Bretter vernagelt sind und augenscheinlich aufgegeben wurden. Vielleicht doch „Mubarak-Mafia“? Ich weiß es nicht. An einer Fahrradwerkstatt bleibe ich stehen. Ein bisschen sieht es hier aus wie in unserem Keller. Im meinem Kopf schallt die Stimme des Ur-Großvater nach: „Des ka´ ma´ noch brauche, des ist noch pfennigguat.“An dem Dachüberhang über dem Mechaniker baumeln kleine Fahrradsattel-Überzüge aus Brokatstoffen im trendigen Kamelsattel-Look. Das ist genau das richtige für meine Frau. Etwas wirklich Authentisches. Vor lauter Begeisterung vergesse ich sogar das Feilschen und lasse einen glücklichen Menschen zurück. Mit dem Feilschen habe ich es ohnehin nicht so. Und kann ich von Glück sagen, dass ich im Tabakladen nicht noch Mindermengenaufschlag für den Shisha-Tabak zahlen musste den mir der Verkäufer aus verschiedenen Packungen zusammenstellen musste, aber mehr als 200g darf ich nicht einführen. Wieder zurück auf der Straße wird es langsam heiß und ich verfluche mich dafür keine Wasserflasche mitgenommen zu haben. Ich schaue mich um. Die Straße ist leer gefegt. Einige Männer sitzen in einem Kaffee und rauchen Wasserpfeife. Ein Stück die Straße herunter sehe ich einen Stand mit Nüssen und Wasserflaschen. Das Feilschen gestaltet diesmal auch relativ einfach. Nach dem ich gefragt habe ob ich auch in Dollar bezahlen kann, kostet alles hier einfach einen Dollar. Es ist die kleinste Einheit für das Papiergeld. Wieder habe ich jemanden glücklich gemacht und ich selbst hab jetzt eine Flasche Wasser und eine Tüte mit köstlichen gerösteten und gesalzenen Nüssen. Die Sonne steht jetzt fast im Zenit und brennt auf die Straße hinunter. Es wird ungemütlich und in den Gassen komme ich mir immer verlorener vor. Ich beschließe zu unserem Treffpunkt zurückzukehren. Die Kleider kleben an meinem Körper. Eigentlich bin ich eine halbe Stunde zu früh dran, aber wie ich durch die Straße schlendere und versuche die Zeit totzuschlagen hält neben mir ein Wagen und Ali grinst mich durch das offene Fenster an. Verschmitzt sagte er, er sei ein wenig zu früh dran, aber es sei gerade nichts los. Dankbar lasse ich mich ins Taxi fallen. Ali dreht die Klimaanlage auf, lacht, „Full Power, only for your“ und bringt mich zurück ins Hotel.


(Originaltext von 2011)

The Beach

Es ist soweit. Ich sitze tatsächlich in der Lobby des Club Calimera. In einem dicken Polstersessel trinke ich Kaffee, schreibe und höre ägyptische Loungemusik. Ich komme mir vor wie in meinen Tagträumen. Man sieht dem Hotel an, dass es schon andere Zeiten gesehen hat. Nicht unbedingt bessere, aber sicherlich andere. Davon zeugen der Metalldetektor durch man sich nach der Eingangstür begeben muss oder auch der, mit Panzerglas gesicherte, Schalter der ägyptischen Nationalbank, der verweist in der Lobby steht. Ich könnte tagelang hier sitzen und das Treiben beobachten. Das Kommen und das Gehen. Die Arbeit der Room-Boys, die jetzt schon zum fünften Mal, innerhalb einer Stunde, über ein und die selbe Stelle gewischt haben. Heute morgen jedoch ist mein Sohn der Ungeduldige. Um 7:30 Uhr soll er zum Tauchen abgeholt werden. Als um 7:50 Uhr immer noch kein Fahrer der Tauchschule durch den Eingang gekommen ist, hat er mich dann soweit. Ich bitte den Portier unseren Reiseleiter anzurufen, ist ja alles all inklusiv. „Wie lange warten Sie denn schon?“, fragt der Portier mit sehr gutem Deutsch und einem verschmitzen Lächeln. „ 20 Minuten“, sage ich. Sein Lächeln wird breiter. Ich grinse zurück. Ich gucke ihn an. Dann überlege ich kurz und sage: „O.k. es ist für ägyptische Verhältnisse noch zu früh um sich Gedanken zu machen. Oder?“„Ja,“sagt er. „Warten Sie noch 10 Minuten, dann will ich sehen was ich für sie tun kann.“Drei Wochen in Indien geben mir die nötige Ruhe und Gelassenheit um zu wissen, dass die Uhren fast überall auf der Welt anders ticken als zu Hause in Deutschland. Schließlich rufen wir zehn Minuten später doch den Reiseleiter an und erfahren, dass der Transfer auf 8:20 Uhr verschoben wurde, man hätte das Hotel informiert. Ich gehe mit dem Portier die Nachrichten des Vortages durch, aber es findet sich keine für uns. Kommunikationsproblem. Aber das ist auch nicht wichtig. Wir gehen noch einen Kaffee trinken bis der Fahrer kommt. Dann bin ich allein.

Ich gehe mich umziehen. Es wird Zeit für mich ein wenig durch die Gegend zu streifen. Das Hotel ist eine Welt für sich, in einer unwirtlichen Umgebung. Mit hochgeschlossenem Hemd, Schal und Hut verlasse ich das Hotel und gehe durch den aufgewirbelten Sand die Straße entlang. Es ist dunstig draußen und ein starker Wind weht. Ein Sandsturm? Nein, sicher nicht. Aber als Vorgeschmack darauf reicht es. Der Dunst macht die Landschaft noch albtraumhafter als sie es ohnehin schon ist. Endzeit auf einem nicht enden wollenden Highway. Man hat es uns bei der Buchung schon gesagt. Wer hierher kommt, kommt zum tauchen oder zum kiten. Dementsprechend spielt sich das Leben dann auch im Hotel bzw. in der Anlage ab. In den hauseigenen Pools, den Restaurants oder natürlich in der Lobby. Zum Tauchen fährt man mit dem Boot hinaus. Kiten geht vom Hotelstrand aus im Flachwasser. Wer schwimmen will geht in den Pool. Das Meer ist hier einfach zu flach dazu. Rund 300m geht es am Hausstrand knietief hinaus bis zur Riffkante, danach wird es dann tief. Das Riff am Hotel ist trotz einiger Fische ziemlich tot. Das Wasser ist klar. Verlässt man die Anlage zu einem Spaziergang, gleich in welcher Richtung, steht man auf einer Baustelle. Baustellen die auf den Mubarak-Clan zurück gehen und nun brach liegen. Zumindest erzählt mir das Ali der Taxifahrer am nächsten Tag: „Die Hotels hier in Hurghada gehören alle Mubaraks Leuten.“Am Stand türmen sich Plastikabfälle. Teils angeschwemmt, teils hingeworfen, teils aber auch von Sandsäcken, die ein abschwemmen des Sandstrandes verhindern sollen. Ich habe an den Zäunen um den Flughafen gesehen, dass sich Folien und Plastikflaschen, vom Wind getrieben, rund einen halben Meter hoch an dem Maschendrahtzaun der den Flughafen begrenzt, türmen. Nach der Menge der Plastikabfälle, die ich auch in Indien zu sehen bekommen habe, bekomme ich es mit der Angst zu tun. Unser Problem wir nicht sein, dass wir kein Öl mehr haben um neue Kunststoffe herzustellen, sondern der Kunststoff der hier in überall in der Landschaft liegt. Dagegen wirkt die improvisierte LKW-Werkstatt am Strand, die garantiert ohne Ölabscheider arbeitet und dafür aber ihre Menschen ernährt, relativ harmlos. Die Sonne brennt, trotz des Windes der hier ständig weht, zur Mittagszeit unerbittlich. Ich bin froh nach dem Essen wieder gemütlich in der Lobby zu sitzen und ein wenig über die Menschen zu sinnieren denen ich hier begegne. Die meisten Europäer sehen aus wie vorgebräunte Dauercamper, süchtig danach ihre Haut zu mumifizieren. Anders kann ich es mir nicht erklären, wenn ich die tief braune Farbe ihrer Haut, mit den vielen Falten, sehe . Ich hatte schon am ersten Tag, trotz des Aufenthalts im Schatten und Sonnenmilch mit Schutzfaktor 50, einen deftigen Sonnenbrand.

Die meisten Frauen sehen in ihrer knappen Bekleidung, die mehr zeigt als verdeckt, eher vulgär aus. Ob sie das wohl wissen? Sicherlich nicht. Irgendwie versucht hier jeder zu beeindrucken. Im Gegensatz dazu stehen die Muslimas. Es logieren hier auch reiche Ägypter mit ihren Familien. Sie sind stets voll bekleidet und bedecken den Kopf. Wobei ich sagen muss, dass die Kopftücher, ohne Zweifel, modische Accessoires sind und nicht mit denen zu vergleichen sind, die meine Oma früher getragen hat. Es gibt hier beispielsweise welche mit einem Sonnenschild oder auch sehr schöne mit Paisleymustern. Auch wirken die Gesichter der Muslimas, viel frischer und unverbrauchter. Am Pool werden dann lange, schwarze, Gankörper-Swimsuits getragen. Die geben dann gerade den jungen Frauen ein wenig die Gestalt von Catwoman. Irgendwie gibt das der Fantasie mehr Nahrung, als allzu knappe Bikinis. Ins Wasser geht man dann folglich auch voll bekleidet. Das straft natürlich das Schild am Pool, wonach man nicht mit Kleidung schwimmen gehen darf, lügen. Aber analog dazu verhalten sich die nicht mulimischen Gäste bei dem Mahlzeiten, wenn sie in knapperer Kleidung erscheinen, als es die Hausordnung zuläßt. Leben und leben lassen ist hier das Motto.(Originaltext von 2011)

Dehli

Die Küche des Sikhtempels von Dehli, Indien 2010
Agra, sechs Uhr morgens. Für mich hat der vorletzte Tag dieser Reise begonnen. Es geht mit dem Bus zum Bahnhof, wo diejenigen in den Zug nach Varanasi steigen, die die Verlängerung gebucht haben. Abschied. Zu sechst fahren wir dann ohne unseren Guide weiter nach Delhi. Bis zum frühen Nachmittag sind wir unterwegs, inklusiv Toilet und Chai Stop. In Delhi haben die beiden Fahrer uns dann mit einer Stadtrundfahrt hinhalten müssen, weil der Localguide nicht aufgetaucht ist. Als wir den endlich aufgepickt haben ist es schon 15 Uhr und wir sind alle genervt, weil wir, außer ein paar Erdnüssen, die wir bei einem Straßenhändler erstanden haben, nichts gegessen haben. Ein kurzer Fotostop am India Gate. Dann geht es weiter zum großen Sikh-Tempel von Delhi. Ich denke an Inder unseren Guide und finde es schade ihn nicht dabei zu haben. Er hat während der Reise schon viel von dem Tempel, seinem Tempel, erzählt. Hier hat er seine Kindheit und Jugend verbracht und hier in der Nähe lebt er auch mit seiner Familie. Und da erstaunt es mich auch nicht weiter, als mich Inders Gesicht von einem Plakat an der Mauer, in dem schmalen Zugang zu dem Tempel, herunter anlächelt. Ich kann die Aufschrift natürlich nicht lesen aber anscheinend hängen an dieser Plakatwand Bilder von Mitarbeitern des Tempels. Wir gehen noch ein Stückchen weiter und schließlich in einen hölzernen Vorbau.

Wie üblich geben wir unsere Schuhe ab und diesmal auch unsere Socken, aber auf dem weißen indischen Marmor ist das kein Problem. Ein Priester verteilt Broschüren über den Sikhglauben und beäugt misstrauisch unsere Kopfbedeckungen, die im Tempel Pflicht sind. Schließlich entscheidet er, dass Baseballkappen nun gar nicht gehen und verteilt orangefarbene Kopftücher. Dann dürfen wir in den Tempel. Barfuß laufen wir durch eine enge Gasse, vorbei an einem Waschplatz und stehen schließlich vor einer großen Freitreppe, die direkt zum Eingang des Tempels führt. Der Marmor unter meinen Füßen fühlt sich kühl und angenehm an. Das Innere des Tempels ist mit dicken, weichen Teppichen ausgelegt. Ein Priester liest aus einem großen Buch vor, während einige Musiker eine sphärische Musik dazu spielen. Jedenfalls scheint es so. Trotz des Trubels um mich herum befällt mich eine angenehme Ruhe. Ich setze mich auf den Teppich und höre zu. Ich könnte hier bis in alle Ewigkeit sitzen bleiben. Mach ich natürlich nicht, denn wir müssen ja irgendwann weiter.

Vor dem Tempel verteilen gläubige Sikhs aus großen Kesseln, eine heilige, süße Paste aus Nüssen. Schmeckt gut und kann man essen. Wenn man sie nicht probieren möchte kann man auch einfach vorbei gehen, das ist wird nicht als unhöflich angesehen. Was man jedoch auf keinen Fall tun sollte, ist die Paste anzunehmen um sie dann wegzuwerfen. Nahrungsmittel sind auch hier nichts Selbstverständliches. In einem Sikhtempel wird jeder kostenlos beköstigt. Es gibt immer ein einfaches Essen und der Tempel verfügt über einen Speisesaal für gut 2000 Personen. Die Gläubigen kochen hier ehrenamtlich und das Essen wird aus Spenden finanziert. Der Tempel ist immer durch einen hohen gelben Mast gekennzeichnet, der es einem früher auch in der Wüste ermöglichte das rettende Gebäude schon von weitem auszumachen. Neben dem Tempel befindet sich immer auch ein Wasserbecken in dem die Gläubigen rituelle Bäder nehmen. Ich streife noch ein bisschen durch die Verkaufsstände die anlässlich des Geburtstags des Religionsstifters Bücher, T-Shirts und religiöse Gegenstände verkaufen. Dann wird es Zeit weiter zu kommen. Was mich jedoch immer wieder erstaunt ist die Art der Inder. Da kommt ein anscheinend gutsituierter Sikh, jedenfalls hatte er bei seinem Bauch genug zu essen, aus dem sauberen und aufgeräumten Tempel und pisst dann einfach vor unseren Augen auf die Straße.

Es wird der Reise sicher nicht gerecht, den Reisebericht mit einem auf die Straße pinkelnden Inder zu beenden. Und so denke ich um so lieber an unser letztes Essen in Delhi zurück: Als wir endlich im Hotel ankommen ist es bereits dunkel. Fast zwei Stunden haben wir uns mit dem Bus durch die abendliche Rushhour Delhis gequält. Wir sind irgendwo im Dunstkreis des Flughafens. Du weißt schon so eine Gegend, die nicht gerade vertrauenerweckend aussieht. Aber als wir reinkommen alles ganz neu, sauber und schön. Das Restaurant befindet sich im Keller erklärt man uns. Es sieht aus wie eine amerikanische Cocktailbar. Aber irgendwie scheint man nicht auf Gäste eingestellt zu sein. Mir schwant böses. Wir haben seit dem Frühstück immer noch nichts gegessen. Der Engel kommt dann schließlich in Form eines älteren Küchenchefs rein. In Anzug und Krawatte. „Nein“, sagt er, er habe nicht alles da was auf der Karte ist. Aber wenn wir uns auf vegetarisch einigen könnten würde er uns etwas anrichten. Wir sind genervt, sagen aber alle ja. Was dann kommt entpuppt sich als das beste Essen der ganzen Reise. Es gibt 3 oder 4 Gemüsegerichte, Reis, Naan und Bier (andere Getränke sind aus). Wir werden von vorne bis hinten bedient. Der Preis liegt bei 400 Rs pro Person inkl. Bier. Das Essen ist ein Traum.

Es ist mittlerweile neun. Wir können jetzt bis um halb eins Schlafen, dann geht es zum Flughafen. Noch drei Stunden bis zum Abflug. Ein Blick auf die Anzeigetafel. Und siehe da, der Flug hat Verspätung. Vier Stunden. Neue Abflugzeit neun Uhr. Ich gehe zum Schalter. Ja, das ist schon richtig. Check-In ist um sechs. Wir suchen uns eine Bank und schlafen. Um halb fünf werde ich dann schließlich wach und guck nochmal auf die Anzeigetafel. Mein Magen zieht sich langsam zusammen. Bei unserem Flug steht nun Check-In closed. Hatte ich da was falsch verstanden? Also nochmal zu Schalter. „Nein, alles in Ordnung. Die Anzeige ist nicht korrekt. Check-In ist sechs Uhr.“ Um sechs hat sich dann immer noch nichts getan. „Nein, wir wissen frühestens um sieben was mit der Maschine ist und ob die überhaupt geht.“ Prima. Wir gehen also zum Manager von Turkish Airlines und erklären ihm höflich, dass wir in Istanbul die Flüge nach Stuttgart, Berlin und Frankfurt bekommen müssen und dass die Zeit dafür langsam knapp wird. Er hat ein Einsehen und meint wir sollen in einer viertel Stunde nochmal vorbei kommen, man wird sich darum kümmern, um 9.45 geht eine Lufthansamaschine nach München. In der Zwischenzeit laufen immer mehr Paramilitärs über den Flughafen. Ich denke mir, dass München immer noch besser ist zum Festsitzen ist als Delhi oder Istanbul.

Um 6.15 drückt man mir eine handgeschriebene Liste mit den Namen der Passagiere nach Stuttgart in die Hand und erklärt mir das sei das Ticket für den Lufthansa Flug nach München, von dort aus geht es dann weiter nach Stuttgart. Das Ticket gilt auch für die drei Deutschen aus Katmandu. Wir checken ein. Bei mir heißt es „No Problem Sir.“Mit zwei der anderen Passagiere gibt es ein Problem. Übergepäck! 350 Euro! Die beiden beschweren sich, weil sie das Mehrgepäck gebucht und auch bezahlt haben. „Ok.“ sagt der Lufthasachief, „300 Euro! Freundschaftspreis!“ Nach einigem hin und her war aber auch das geklärt und TA übernimmt den Mehrpreis. Sieben Stunden später und um die Erfahrung Lufthansa fliegen zu dürfen reicher, komme ich dann in München an. Von dort aus geht es dann mit einer Propellermaschine weiter nach Stuttgart. Drei weitere Stunden später bin ich schließlich zu Hause. Es schneit. Später er-fahre ich, dass es in Sikkim politische Zwischenfälle gegeben hat. Deswegen seien viele Flüge abgesagt worden. Es würde auch das Militär am Flughaben erklären, das aussah als würde es zu einem Einsatz fliegen. Ich muss gestehen, es fällt mir schwer zu Hause anzukommen. Aber ich schwebe aber mittlerweile nur noch zehn Zentimeter über dem Boden und keine 30 mehr. Interessant, dass ich noch gelassener sein kann als ich es vorher war. Reisen verändert einen eben doch.

(Originaltext von 2010)