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Ranakpur

Der Jaintempel von Ranakpur, Indien 2010
Wenn es um Kunsthandwerk und Tempel geht, so ist der Jaintempel von Ranakpur ein wahres Kleinod. Es handelt sich bei der Tempelanlage um einen Wallfahrtsort. Neben dem eigentlichen Tempel gibt es Gebäude mit kleinen Zellen zum Übernachten, Duschen und einen großen Speisesaal. Während die Nebengebäude wirklich nur ihrer Funktion folgen und sehr einfach sind, besteht der Tempel aus dutzenden von behauenen Marmorsäulen. In der Mitte liegt ein Schrein der nur von den Gläubigen betreten und auch nicht fotografiert werden darf. Hält man sich an diese Regeln und hat man womöglich schon einen Obolus an einen der Mönche entrichtet, so gibt es aber auch hier Ausnahmen, wenn die Mönche einen bei der Hand nehmen und auf den einen oder anderen fotografischen Blick hinweisen. Der Tempel enthält neben den geraden Säulen auch eine schiefe Säule. Sie gemahnt einen, nicht zu vergessen, dass nichts perfekt ist. Und das Schönheit auch im Hässlichen zu finden ist, wie auch umgekehrt. Also etwas wie der Brecht´sche Verfremdungseffekt. Ich fühle wohl in diesem großen, lichten Gebäude. Ich spüre den sauberen weißen und von den Menschen glattpolierten Marmor unter meinen Füßen. In mir keimt das Gefühl auf angekommen zu sein. Inder hat uns inzwischen ein Gebet organisiert. Uns so sitzt die ganze Gruppe auf den Marmorstufen und lauscht dem Bariton eines der Mönche. Das Om hallt nicht nur durch die Hallen des Tempels sondern klingt auch in mir noch lange nach. Und manchmal wenn ich mich in einer ruhigen Minute zurück erinnere, übertönt es sogar meinen Tinnitus.

(Originaltext von 2010)