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Der Rattentempel

Rattentempel, Deshnoke, Indien 2010
Ich gebe zu das Wort Rattentempel hat mich neugierig gemacht. War doch im Reiseführer von tausenden Ratten die Rede, die einem über die Füße laufen. Welch ein Abenteuer! Als wir am Karni Mata Tempel ankommen, sieht alles ein bisschen nach Jahrmarkt aus. Um den Tempel herum sind kleine Stände gruppiert an denen es allerlei zu essen gibt. Von gebackenen Chilis, die mörderisch scharf sind, bis hin zu frischem Zuckerrohr, das ich nicht probiert habe. Der Tempel selbst ist ein rechteckiger roter Bau, der recht unspektakulär aussieht. Es folgt das übliche Prozedere: Schuhe ausziehen und abgeben, Tempelsocken anziehen. Dann geht es durch die obligatorische Sicherheitskontrolle hinein in das Herz des Tempels. Leder muss übrigens, nicht nur hier sondern auch in verschiedenen anderen Tempeln, ebenfalls draußen bleiben. Ein Kunststoffgürtel leistet da gute Dienste. Im Inneren des Tempels blieb dann die Euphorie aus. Statt Tausender Ratten die einem über die Füße laufen und bei denen man immer eine weiße sucht, die nun besonders viel Glück bringt, sehe ich nur so maximal 50 oder 60 von den Nagern. Die, dann auch nur an den Futterplätzen, friedlich Milch trinken oder in den Metallgittern vor sich hin dösen. Im Gegensatz zu den Ratten die ich von zu Hause her kenne, sind diese eher als niedlich einzustufen. Mehr wie große Mäuse und in keiner Weise aggressiv oder gar gefährlich. Schlimmer ist hingegen der beißende Geruch nach Rattendreck. Der mit Sicherheit nicht jeder-Manns Sache. Für mich persönlich war der Besuch des Tempels dann auch eher skurril als eine spirituelle Erfahrung.

(Originaltext von 2010)