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Der Hindutempel von Jaipur

Hindutempel in Jaipur, Indien 2010Aufwärmtraining in Sachen indischer Religion
Ich glaube der Hindutempel war so etwas zum Aufwärmen in Sachen indischer Religion. Es dämmert schon als wir dort ankommen. Der Tempel besteht aus weißem Marmor, in traditioneller Bauweise, aber neueren Datums. Und nun kommt gleich mein erster Lernschritt: Schuhe ausziehen. Socken geht (meistens), Schuhe nicht! Wir ziehen also alle unsere Schuhe aus und geben sie an dem kleinen Holzhäuschen neben dem Tempel ab. Turkish Airlines haben mir glücklicherweise auf dem Hinflug, neben einer Schlafbrille auch ein paar Tempelsocken gesponsert. Die kann ich jetzt über meine Tennissocken ziehen. Nun geht es durch eine Sicherheitsschleuse und ich stehe auf dem weißen, sauberen Marmorboden direkt vor dem Tempel. Fotografieren ist von außen erlaubt, im Inneren jedoch verboten. Religion wird hier viel mehr gelebt als bei uns. Die Menschen gehen in den Tempel um zu beten oder zu bitten, aber sie tun es aus freien Stücken und nicht unbedingt weil es für sie eine gesellschaftliche Pflicht ist. Auch sind hier viel mehr junge Leute unterwegs, Kinder, Paare die vielleicht heiraten wollen. Alles sieht hier viel ehrlicher und viel gelebter aus als zu Hause. Authentischer eben. Die Leute sind auch viel fröhlicher wenn sie einen Tempel aufsuchen. Nicht so feierlich wie bei uns. Man könnte auch sagen sie sind positiver. Während ich unserem Kirchen immer das Gefühl habe vom Leid umgeben zu sein, geht es hier viel fröhlicher zu. In Indien wird mit dem Glauben sehr viel pragmatischer umgegangen. Jeder bittet zuerst für sich selbst, dann für seine Familie und es dreht sich in erster Linie um Gesundheit und Wohlstand. Das unterscheidet uns auch grundsätzlich. Gönnen wir uns doch den Luxus, nicht nur für unsere Bedürfnisse zu beten, sondern auch für unseren Nächsten oder gar für den Weltfrieden oder den Umweltschutz. Oder wir gehen eben nur in die Kirche, wenn es uns wirklich schlecht geht und wir keinen Ausweg mehr sehen.

(Originaltext von 2010)